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Zur Geschichte des Schulhauses des HSG in der Löbleinstraße können Sie hier einen Text des ehemaligen Schulleiters Otto Spälter lesen. Das heutige Hans-Sachs-Gymnasium wurde 1903 - in der optimistischen Aufbruchstimmung der Zeit Kaiser Wilhelms II.und in der Spätphase der sogenannten Gründerzeit - als königlich-bayerische Kreisrealschule eröffnet. Der Auftrag an sie war, die naturwissenschaftlich-technische Bildung in besonderer Weise zu fördern. Äußerlich fand dieses Ziel Ausdruck im reichen Fassadenschmuck des Schulgebäudes, und hier wiederum vor allem in den Medaillons mit den Köpfen bayerischer Gelehrter und Politiker, die den Gedanken einer realitätsnahen Schulung der Kinder und Jugendlichen propagiert hatten. Dargestellt sind hier:
Friedrich Immanuel von Niethammer (1766-1848), einer der führenden bayerischen Schulreformer aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Gotthilf Heinrich von Schubert (1780-1860), ein Naturforscher, berühmt durch seine Dresdner Vorlesungen über die „Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft" und Wegbereiter der Romantik in Franken und Bayern, Johannes Scharrer (1785-1844), Bürgermeister von Nürnberg, Organisator des technischen Schulwesens in Nürnberg und einer der Väter der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth, Georg Simon Ohm (1787-1854), bedeutender Elektrophysiker, u.a. Rektor an der polytechnischen Schule in Nürnberg, später Universitätsprofessor in München, Carl Max von Bauernfeind (1818-1894), maßgebender Initiator und erster langjähriger Direktor der Technischen Hochschule in München, bedeutend als Geodät und Erforscher der Erdatmosphäre und Georg Füchtbauer (1829-1906), verdienter Rektor der Industrie-, Gewerbe- und Realschule in Nürnberg, Professor der Physik. Das Haus der neuen Schule - sie war der Zeit entsprechend nur Jungen zugänglich - wurde im Bereich der „Gärten hinter der Veste" errichtet, das heißt, im Gelände unmittelbar im Anschluss an die nördliche Altstadt mit der Burg als Fixpunkt. Hier waren bis in die Zeit, da allmählich ein neues Stadtviertel vor den Mauern der Stadt entstand - „Maxfeld", wie es nach König Max II. von Bayern hieß - Gärten mit kleinen Sommerhäusern der Nürnberger Patrizier gewesen; nun wurde die Gegend bebaut mit den stilvollen und prächtigen Häusern eines gutsituierten Bürgertums, das sich hier niederließ. Und überwiegend die Söhne dieser bürgerlichen Schicht in Maxfeld besuchten künftig die neue Schule, deren Haus sich in seiner aufwendigen äußeren und inneren Gestaltung harmonisch in das Viertel einfügte: Neben dem äußeren Zierat, der ein schulisches Programm verkündete, und dem prachtvollen Treppenaufgang mit üppigen hölzernen Türgewänden sowie kostbaren, grüngetönten Jugendstilfliesen,war es mit modernster Technik ausgestattet, nämlich einer Zentralheizung und Gasbeleuchtung, - einer Sensation im damaligen Nürnberg. Mit zeitgemäßen Erneuerungen blieb dieses Haus bis in die Gegenwart hinein als wichtiger Integrationsort für seine Schüler in der Substanz unverändert erhalten. Heute steht es als ein eindrucksvolles Bauwerk zweckdienlicher und zugleich auch ästhetisch gelungener Architektur komplett unter Denkmalschutz.
Nicht unter Denkmalschutz steht freilich die Pädagogik in diesem Haus: Sie hat sich immer zeitgerecht fortentwickelt und darf für die Gegenwart sogar für sich in Anspruch nehmen, die fortschrittlichsten Konzepte in Bayern sehr ideenreich und engagiert mit zu entwerfen und zu tragen. Dabei ging und geht es dem Hans-Sachs-Gymnasium vorrangig um die Erprobung effektiverer Unterrichtsmethoden und einer besseren Motivation der Schüler, ferner aber um die rechte, von einem humanen Ansatz her fundierte Erziehung zu den heute in der Gesellschaft geforderten Schlüsselqualifikationen. Eine besondere Rolle weist dazu unsere Schule dem gemeinsamen Bemühen von Lehrern, Schülern und Eltern zu. Das setzt einen guten, engen Kontakt aller Beteiligten voraus, wie er uns ein besonderes Anliegen ist. Die Basis für die Arbeit in eine solchermaßen neue Richtung wurde schon zeitig geschaffen durch die Angliederung einer neusprachlichen Ausbildungsrichtung (neben der gleichsam klassischen mathematisch-naturwissenschaftlichen) und die Aufnahme von Mädchen ab dem Jahr 1976. Beide haben die Schule an der Löbleinstraße grundlegend verändert. Ein frühes äußeres Zeichen für den neuen Ansatz war auch die Umbenennung der Schule in „Hans-Sachs-Gymnasium" 1962. Sie signalisierte Offenheit und kritisches Bewusstsein, so wie wir sie von dem Namenspatron her kennen: Hans Sachs (1494-1576) hatte beim Bürgertum viel beigetragen zur Verbreitung klassischer Bildungsgüter aus Antike und Christentum, aber auch mit schriftstellerischem Talent erzieherischen Einfluss auf das öffentliche Leben gewonnen und das Gewissen des Einzelnen im Gemeinwesen geschärft. Das heißt, er hatte sich eigentlich als Pädagogen begriffen, wenn er Lieder, Spruchgedichte, Reimdramen und Prosadialoge schrieb. Und was wir heute auch wollen, das hat er damit bereits beispielgebend geleistet, nämlich Wissen vermittelt und erzieherisch gewirkt. Die Symbolik des Hauses und die Symbolik der Namensgebung verweisen so schon auf ein schulisches Programm, dem wir uns verpflichtet fühlen: dem jungen Menschen zeitgerecht fortschrittlich dienen und doch der Tradition verbunden bleiben. (Otto Spälter)
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