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Der folgende Text wurde 1994 vom damaligen Schulleiter Otto Spälter anlässlich des 500. Geburtstages von Hans Sachs verfasst. Er wird hier in der urprünglichen Fassung, also nach den Regeln der alten Rechtschreibung wiedergegeben.

Die Person Hans-Sachs - der unbekannte Namenspatron unserer Schule

Unsere Schule erhielt 1963, als es Mode wurde, die höheren Schulen nach bedeutenden Männern (kaum Frauen) der Vergangenheit zu benennen, den Namen des Hans Sachs, also eines in seiner Zeit berühmten Bürgers und Schriftstellers der Stadt Nürnberg. Diese Namensgebung hat die Schulleitung damals der Schulfamilie eher etwas unterkühlt, ja verschämt mitgeteilt, ohne eigentliche Würdigung des Hans Sachs; man begnügte sich mit einem Hinweis auf seine immer noch aufgeführten Fasnachtspiele. Wichtig war damals, 1963, eher, daß Goethe den Hans Sachs gerühmt und Richard Wagner den Schusterpoeten in seinen „Meistersingern von Nürnberg" in den Mittelpunkt der Handlung gestellt hatte.

Aus Anlaß des 500. Geburtstages des Hans Sachs’ (am 5. November 1994) kann es für unser heutiges Verständnis nicht befriedigen, sich auf frühere Autoritäten zu berufen. Wir wollen heute wissen, wer Hans Sachs als Literat in seiner Zeit selber war, ohne den Widerschein seiner Person bei Goethe oder Wagner.

Am verblüffendsten ist zunächst die Menge dessen, was Hans Sachs geschrieben hat. Nach einem von ihm eigenhändig verfaßten Register, das bis 1567 reicht, waren es 4275 sog. Meisterlieder, 73 Lieder anderer Art, ungefähr 1700 paargereimte Spruchgedichte, 28 Reim-Dramen - Komödien und Tragödien - und sieben Prosadialoge, insgesamt 6170 Texte. Danach entstanden bis 1576, seinem Todesjahr, noch ca. 180 weitere Dichtungen. Von Hans Sachs sind also außerordentlich viele Werke überliefert, so viele, wie von keinem anderen Dichter vor den deutschen Klassikern. Das zeugt immerhin von einer enormen Schaffenskraft über Jahrzehnte hin, auch wenn natürlich die Zahl der publizierten Titel noch kein Qualitätskriterium ist.

Zu der stattlichen Zahl der Werke bleibt freilich etwas anderes anzumerken: Es sind schmale Werke. Heute sind wir es gewohnt, daß Schriftsteller ihre Werke in Büchern veröffentlichen - Gedichte, Schauspiele, Romane. Vielleicht druckt gelegentlich auch eine gute Zeitung ein Gedicht oder einen Roman von Rang, aber die Regel ist das Buch. Zu Zeiten des Hans Sachs war das ganz anders. Bücher gab es erst wenige. Und so sind die Lieder, Sprüche, Schauspiele des Hans Sachs zunächst nie in Büchern erschienen, sondern als sog. Einblattdrucke oder Flugschriften, also auf einem einzelnen Blatt bzw. Faltblatt (aus Papier), oder in ganz dünnen Broschüren von maximal zwölf bis sechzehn Seiten. Erst später wurden die Texte gesammelt - erstmals ab 1558 - und in Hans-Sachs-Ausgaben unter die Leute gebracht. Ein besonderes Merkmal der Originaldrucke war dabei, daß sie immer mit Holzschnitten (meist angesehener Holzschneider) illustriert waren. So sind die Dichtungen des Hans Sachs auf den veröffentlichten Blättern stets mit kleinen bildnerischen Kunstwerken ausgestattet, häufig vor dem Text oder neben ihm, und als solche auch Kostbarkeiten bei den frühen Drucken.

Der Sinn des Verfahrens war sicherlich: Die bildlichen Darstellungen sollten das vom Dichter Gesagte durch Veranschaulichung in der Aussagekraft unterstützen und dem Laien das Verständnis des Gelesenen bzw. Gehörten erleichtern. So wie wir auch heute noch das Bild als didaktisches Demonstrationsmittel gebrauchen, so tat das auch Hans Sachs. Dabei entstanden bisweilen eindrucksvolle Gesamtkunstwerke in der Einheit von Dichtung und Holzschnitt, wie sie heute in dieser Form kaum noch geschaffen werden. Immerhin nähern sich das Kino und das Fernsehen in guten literarischen Verfilmungen heute wieder diesem Ziel und Anspruch. Aktuell war es immer, das Publikum auch visuell anzusprechen. Für Hans Sachs gilt es aber festzuhalten, daß es - bei einer Vielzahl illustrierter Veröffentlichungen - Einzelblätter oder ganz schmale Bändchen waren, die von ihm erschienen.

Dieser Hinweis zum Umfang der Einzelwerke schmälert allerdings nicht das dichterische Bemühen des Autors. Abgesehen davon, daß Hans Sachs mit seinen Dramen, Prosadialogen, Spruchgedichten und Liedern erstmalig eine breite Bürgerschicht mit bis in die Gegenwart hinein gebräuchlichen literarischen Gattungsmustern vertraut machte, hat er all seine Dichtung äußerst kunstvoll komponiert. Das heißt, er fügte die Stoffe, die Inhalte, die er verwendete, in eine genau bedachte, feste Form, und zwar in bewußter Entsprechung von Inhalt und Form. Mit der von ihm gewollten Schematisierung hat er also bewußt inhaltliche Qualitäten kenntlich gemacht und die Faßlichkeit der Texte gefördert. Solche Formprinzipien, die mit dem Inhalt korrelieren, wenden auch moderne Schriftsteller an. Bei Hans Sachs sind es aber nicht (allein) formale Grundsätze im modernen, säkularen Sinn, die er verwirklicht. Er lebt noch eher aus gleichsam mittelalterlichen Vorstellungen heraus: daß das Irdische Spiegelbild der himmlischen Vollkommenheit sein soll und sich der Dichter als Schöpfer einer eigenen kleinen Welt dem Vorbild der überirdischen, göttlichen Harmonie in möglichst großer Analogie nähern müsse, um in Einklang mit Gottes Werk zu gelangen und um dieses durch das eigene Schaffen formal und inhaltlich möglichst sinnfällig zu preisen. Aus dieser Absicht erklärt sich vermutlich die verblüffende formale Verwandtschaft einer Reihe seiner Meisterlieder zum gregorianischen Choral, der ja auch zum Lobpreis Gottes angestimmt wurde, und die Orientierung des Hans Sachs am mittelalterlichen System der Kirchentonarten. Was uns heute vielleicht als sehr gekünstelt erscheint, eben das Regelhafte und genau Abgemessene, das hatte folglich damals tiefere Bedeutung.

So erleben wir es beispielhaft bei den Werken des Hans Sachs, die für unser heutiges Empfinden am entrücktesten erscheinen, - den Meisterliedern, die - wie wir sahen - das Gros der Sachs’schen Produktion ausmachen. Die Meisterlieder sind nämlich durch eine besonders strenge Beachtung formaler Regeln gekennzeichnet, weswegen sie heute leicht als starr und steril eingestuft werden. (Richard Wagner mag mit den „Meistersingern von Nürnberg" das Seine mit beigetragen haben, wenn wir die Meistersinger wegen solcher Starrheit und Sterilität heutzutage als mehr oder minder kauzige Figuren betrachten und nicht ganz ernst nehmen. Ernst nehmen aber sollten wir sie in ihrem anspruchsvollen Kunstbemühen.)

Ein Meisterlied mußte aus mindestens drei Strophen bestehen, die jeweils wieder dreigeteilt waren in je drei sog. Stollen. Von diesen waren die beiden ersten musikalisch jeweils völlig identisch, der dritte aber unterschied sich von den zwei ersten stets deutlich. Ganz feste Regeln waren also beim Meistergesang vorgegeben. Und beim Vortrag der Lieder in den sog. Singschulen wurde deren Einhaltung streng überprüft. Neben der formalen Vollkommenheit gemäß den Regeln wurde in diesen Singschulen im sog. Hauptsingen (das in einer Kirche stattfand) aber auch der Liedinhalt kontrolliert. Erlaubt waren nur geistliche Themen, und bei deren inhaltlicher Gestaltung wurde darauf gesehen, daß der Sänger nicht vom überlieferten Bibelwort abwich - in Nürnberg nicht vom lutherischen. Weltliche Themen waren nur beim sog. Freisingen gestattet, das dem Hauptsingen vorausging. Erst beim sog. Zechsingen - in einem Wirtshaus - konnte der Sänger seine Verse in der Singweise und im Inhalt wesentlich freier fassen. Konstitutiv blieb aber immer der Wettbewerb mit anderen Meistersingern der Stadt, die ihre Lieder stets öffentlich vortragen mußten.

Für diese stadtbürgerliche Kultur der Meistersinger fehlt uns heute vielfach das rechte Sensorium, was sicher auch damit zu tun hat, daß wir das Liedgut dieser Leute in der Regel nur noch im Druck als bloßes Wort vor uns haben, uns die gesangliche Seite dieser Kunst, die ja unbedingt mit dazu gehört, meist jedoch überhaupt nicht mehr präsent ist. Wenn uns vieles am Meistergesang heutzutage altertümlich dünkt, so sollten wir im übrigen nicht vergessen, daß mit dem Bemühen der Meistersinger, wie es Hans Sachs und die ihm Gleichgesinnten zeigten, die deutsche Sprache an Form und Ausdrucksvermögen ungeheuer gewann. Bisher war ja das Deutsche (neben dem Latein der Gebildeten) weithin noch eine ungelenke, stark regional geprägte Sprache von geringem Ansehen gewesen. Die Meistersinger haben (neben den Kanzleien der Fürsten) viel zur Herausbildung einer gehobenen deutschen Sprache, die überall verstanden wurde, beigetragen. Die literarisch-musikalischen Wettbewerbe mögen auf uns heute in manchen Zügen erheiternd-altväterlich wirken, und gewiß waren sie auch nichts Originales; ahmten sie doch ältere ritterlich-höfische Sitten aus einer vergangenen Zeit im bürgerlichen Milieu in ihrer Weise nach. Das schmälert aber nicht ihr Verdienst. In ihrer Zeit waren die Meistersinger fortschrittliche, bildungsbeflissene Leute, die viel zur Entwicklung einer sprachlich-geistigen Kultur in Deutschland mit leisteten, indem sie das Deutsche vom Ruf des Barbarischen allmählich befreiten und ein gemeindeutsches Sprachbewußtsein förderten, wie es bis dahin nicht existiert hatte. Hans Sachs speziell, ihr führender Kopf, schuf auch formale Muster, die vom Barock an bis in die Gegenwart beachtete Grundstrukturen zumal für Lyrik und Drama blieben.

Daneben gewann Hans Sachs auch mit der Auswahl der Stoffe seiner Dichtungen (meist nach berühmten Vorlagen) für die deutsche Literatur eine beachtliche Weite, das heißt, mit ihr ließ er die bisherige thematische Enge mutig hinter sich. Bewußt eindringlich zielt er dabei immer auf die Vermittlung von Wissen und vor allem auf die Bildung des Charakters bei seinen bürgerlichen Lesern, Hörern und Zuschauern. Vorrangig ist es also ein pädagogisches Anliegen, das er vertritt: In der wirren Zeit der Reformation - ca. zwischen 1520 und 1570 -, in der vieles Überkommene in seiner Gültigkeit angezweifelt wurde oder keinen Bestand mehr hatte, versucht Hans Sachs Halt zu geben, indem er auf das seiner Überzeugung nach Wesentliche hinweist. Immer liefert er Exempel - für richtiges und falsches (christliches) Handeln - und zieht er aus den Tatsachen und Begebenheiten, die er schildert, verbindliche, lehrhafte Schlüsse, die als Fazit zugleich Anleitung sind, so wie das in der barocken Literatur der Folgezeit dann auch sein wird: Der Autor will dem Leser bzw. Zuhörer helfen, selber den rechten Weg zu finden, aus im besten Sinn christlich-politischer Verantwortung heraus.

Die unterschiedlichsten Stoffe sind es, die er solcherart aus reichem Fundus nutzt: die über biblische Gestalten und Heilige, die von antiken Dichtern und Historikern (wie Homer, Äsop, Plutarch, Sueton, Justin u.a.), die italienischer Dichter (von Petrarca und Boccaccio zum Beispiel), die der alten und mittelalterlichen Geschichte oder Legende über Könige und Kaiser), auch welche aus dem Zeitgeschehen seiner Jahre (zur Reformation, zur Türkengefahr, zur obrigkeitlichen Willkür und Streitsucht, zur Pestgeißel, mit wachem Blick für die täglichen Ängste und Bedrängnisse der einfachen Leute u.ä.) und über ganz alltägliches menschliches Tun und Treiben (aus Schwankszenen etwa). So entwirft er ein weites Panorama, und es entstehen eindrucksvolle Sprüche und Dialoge. Am eindringlichsten unter ihnen sind wohl „Die Wittenbergisch Nachtigall" (mit der Parteinahme für Luther), „Einklag zu Gott über die grausam wüterey des grausamen Türken" (ein Aufruf an die Christenheit zur gemeinsamen Abwehr der Türken), der „Landsknecht-Spiegel" (mit einem Schreckensbild des Krieges), das „Gesprech von der himelfart Markgraf Albrechts" (eine beklemmende Schilderung der Höllenreise des zollerschen Erzfeindes der Stadt Nürnberg nach dessen Tod), „Ein lobspruch der statt Nürnberg", ferner ein Spruchgedicht über die Nürnberger Pestepidemie des Jahres 1561/62 (zur Aufklärung der Bürger über das rechte Verhalten in der Pestzeit), dann „Ein Dialogus, den Geytz, auch ander offenlich laster ... betreffend" (eine massive Kritik am Geschäftsgebaren der Reichen), dazu Fasnachtspiele wie „Das Narrenschneyden" (eine Klagepredigt über die sieben Todsünden) und „Der fahrend Schuler ins Paradeis" (ein Mahnwort an die Einfältigen und Gutgläubigen), - die wenigen Titel illustrieren die Themenvielfalt des Hans Sachs. Zu ergänzen ist sie durch Kuriositäten wie Kommentare zu Kartenspielen oder Vogelcharakteren.

Stören mag uns heute an seinen Texten und Liedern, daß er den Menschen ihre Schwächen und Sünden - sie sind uns Heutigen genauso zu eigen wie den Damaligen - mit erhobenen Zeigefinger immer sehr direkt vorhält. Wir mögen eher das Subtilere, Hintergründigere, Verdecktere, kurzum: Psychologischere, weniger Mahnende. Hans Sachs war da ungenierter, drastischer seinem Publikum gegenüber, aber sein Stil und Ton waren seiner Zeit wohl auch gemäß. Hans Sachs wollte letztlich die, die er ansprach, aufrütteln und bessern, retten und bewahren: retten und bewahren vor dem Unheil im Diesseits und - für ihn sicher noch wichtiger - vor dem Verderben im Jenseits. Dieses Ziel verlangte wohl auch mehr an Deutlichkeit und Entschiedenheit, auch an vereinfachenden Typisierungen, als wir heute ertragen wollen. Freilich sollten wir dazu auch nicht aus dem Gedächtnis verlieren, daß Moralisten wie Hans Sachs zu allen Zeiten mit (dogmatischem) Eifer gegen das ihrer Meinung nach Böse und Schlechte auf der Welt fochten und das anklagende und richtende Wort nie scheuten.

Für das 20. Jahrhundert wird Bert Brecht das beste Beispiel für Dichter sein, die in solch lehrhafter, pädagogischer Absicht schrieben (wobei wir nicht außer acht lassen wollen, daß Bert Brecht in seinen Dialogen und Songs sein Publikum mit wesentlich größerer gedanklicher und sprachlicher Raffinesse zu beeinflussen suchte als Hans Sachs, bei sonst durchaus frappierenden Parallelen). Angeprangert werden (in grober Vereinfachung) immer schlimme Übel und gepriesen werden immer edle Tugenden. Bei aller Zeitgebundenheit, die wir nicht verschweigen wollen, werden in dieser dichterischen Haltung auch bemerkenswert aktuelle Züge sichtbar: In Krisenmomenten erheben sich regelmäßig mahnende Stimmen, die zur Umkehr aufrufen. Da sie indes nicht gern gehört werden, sucht man sie von Seiten der Obrigkeit stets durch behördliche Maßnahmen zum Schweigen zu bringen. So wundert es nicht, daß Hans Sachs seinerzeit das gleiche widerfuhr wie manchem Autor in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts: Er erhielt vom Rat der Stadt Nürnberg (für eine Weile) Veröffentlichungsverbot, und es wurden Schriften von ihm (nach seinem Tod aus dem Nachlaß) eilends konfisziert - aus Angst, sie könnten Schaden stiften.

Gewiß ist uns Hans Sachs heute in vielem nicht mehr unmittelbar nahe. Die Lektüre ist oft recht mühsam, und ohne erklärende Hilfen verstehen wir vieles nicht mehr. Vieles sagt uns auch stofflich nicht zu, weil Hans Sachs eine andere Perspektive hatte als wir heute. Und formal sind wir oft gelangweilt, von manchen Ausnahmen abgesehen. Es bleibt aber die historische Betrachtung: Für seine Zeit dürfen wir Hans Sachs getrost als einen großen Dichter begreifen, als einen, der die deutsche Sprache und Literatur enorm voranbrachte - wovon die Späteren großen Nutzen hatten - und der in den Fährnissen seiner Jahre mutig und meinungsbildend das Wort ergriff. Nicht umsonst genoß er bei seinen Zeitgenossen über Nürnberg hinaus hohes Ansehen. Natürlich: Neben europäischen Dichterpersönlichkeiten wie Boccaccio, dem viel älteren Florentiner, oder Shakespeare, dem viel jüngeren Engländer, kann er schwerlich bestehen. Im Vergleich zu ihnen empfinden wir die Werke des Hans Sachs als provinziell-becheidene, oft recht hölzerne Literaturversuche, ohne die Fülle menschlicher Charaktere und künstlerischer Feinheiten wie bei diesen. Aber für die deutschen Lande - denen es wohl insgesamt nachwirkend am Erbgut römischer Kultur fehlte und die daher erst sehr verzögert den Schritt auf eine höhere Stufe tun konnten - war Hans Sachs eine bedeutende Gestalt der Literatur, der niemand in Deutschland damals auch nur annähernd gleichkam. In einer höchst unruhigen, aufregenden (und noch zeitungslosen!) Phase unserer Geschichte hat er auf existentielle Herausforderungen und menschliche Grundfragen - in typisch deutscher Manier, möchten wir meinen - für eine breite Öffentlichkeit mit Ernst und Leidenschaft Antworten gesucht, und das mit kritischem Geist, großem moralisch-pädagogischem Einsatz und viel sprachlicher Kraft. Erst die Aufklärer haben aus ihrer Überlegenheitshaltung heraus über ihn quasi als Kleinbürger gespottet und ihn als künstlerischen Stümper abqualifiziert. In seiner eigenen Zeit hat und hätte das niemand gewagt und getan. Dazu stand er in zu hohem Ansehen.

Für uns heute existiert Hans Sachs ganz aus eigenem Verdienst heraus, als Literat von Rang in seiner Zeit. Und für unser Gymnasium ist er - zumal in seinem gesellschaftlich-idealistischen Bestreben (dem das solide Handwerk die Basis war) - ein Namenspatron, zu dem wir uns sehr wohl bekennen dürfen, - aus Überzeugung und ohne daß es der Rechtfertigung durch Goethe oder Richard Wagner bedürfte.

(Otto Spälter)

Verfaßt unter Verwendung von:

Reinhard Hahn (Hsg.), Hans Sachs, Berlin und Weimar 1992

Hartmut Kugler, Poesie nach Maß und Zahl. Zur Meisterlieddichtung des Hans Sachs, Nürnberg 1994 (Ein Vortrag, den Prof. Kugler im Rahmen der Regionalen Lehrerfortbildung am 15.7.1994 im großen Saal der Oberfinanzdirektion Nürnberg hielt)

Eckhard Bernstein, Hans Sachs, Reinbek 1993 Dieter Merzbacher (Hsg.), 500 Jahre Hans Sachs, Handwerker, Dichter, Stadtbürger, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1994

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