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Plogging – schon mal was davon gehört? Nein? Kein Wunder. Während des Morgensports Plastiktüten aus Pfützen zu pflücken ist eine ziemlich neue Sache, und die nennt sich eben Plogging. Nichts Besonderes eigentlich, oder? Denn neue Trends sind so häufig wie Plastik in unseren Weltmeeren und überschreiten nur knapp die Lebensdauer einer Eintagsfliege. Allerdings kommt Ploggen wie auch Incredible Ikea aus Schweden. Das Wort selbst ist eine Zusammensetzung aus dem schwedischen „plocka“ für Sammeln und dem altbekannten Joggen. Das hat sich jemand in der Mitte Skandinaviens ausgedacht, und es hat sich sofort auf Snapchat, Instagram und Twitter verbreitet. Jetzt organisieren sich die Plogger über ebendiese Plattformen, die sie zu ihrem neuen Lieblingshobby gebracht haben. Sie treffen sich, um zusammen gleichzeitig Sport zu treiben und ihren Heimatort vor Müllverschmutzung zu retten - und schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Eigentlich gar keine schlechte Idee.

 

Man fragt sich da natürlich erstmal, wie man sich denn zum Ploggen bringen soll, wenn die vorhandene Motivation meist noch nicht einmal für eine Runde Joggen reicht. Das ist aber gar nicht so schwer, denn die upgegradete Version von Joggen ist schlichtweg viel besser. Schon mal schuldig gefühlt, weil du deine Coffee-to-go-Becher, Plastikverpackung und Kassenzettel nicht in den Mülleimer drei Schritte von dir entfernt, sondern direkt auf die Straße geschmissen hast? Der Plogging-Trend wäscht dein Gewissen wieder rein und sorgt zugleich für ein klasse Karma. Und natürlich für eine hübschere und sauberere Umwelt.

 

Schon motivierter? Nein? Vielleicht aber gleich. Denn Plogging ist tatsächlich ein effektiveres Training als Joggen. Man trainiert so nämlich nicht einzig durch bloßes In-der- Gegend-Herumrennen seine Ausdauer, sondern durch das ständige Bücken beim Müllpflücken auch Rücken-, Bauch- und Schultermuskulatur. So hat man gleich Kraft- und Ausdauertraining in einem und kann sich den Fitnessstudiobesuch nach dem Joggen getrost sparen.

 

Und wenn das immer noch nicht genug ist, um dich zum Ploggen zu bringen, wird das spätestens der damit verbundene Gruppenzwang erledigen. Man sammelt sich und zieht dann als Ploggingmob abfallsammelnd durch die Straßen. Hat man einmal zu so einer Ploggingaktion zugesagt, ist es schwer mit dem Gewissen zu vereinbaren, einen Rückzieher zu machen. Schließlich wollte man doch mal was für Körper und Umwelt tun und die anderen hängenzulassen wäre auch ziemlich unfair. Also ab zum Ploggen!

 

Aber ein bisschen umständlich ist das Ganze schon. Immer ist man von Lust, Laune und Zeit anderer abhängig, muss ständig auf Social Networks unterwegs sein, um über das Wann-und-Wo des nächsten nahen Treffens up-to-date zu sein. Ganz im Gegenteil zum Joggen. Da kann man immer und überall sofort ohne Verzögerung loslegen, man braucht nur ein Paar Turnschuhe und ein wenig Orientierungssinn. Oder ein Smartphone, das tut es in Zeiten von Google Maps auch.

 

Und außerdem: Bringt es denn überhaupt etwas, wenn ein paar zu Ploggern gewordene Jogger ab und zu mit Mülltüten zum Abfallsammeln auf die Straße gehen? Klar, es setzt ein Zeichen, man muss sich mehr um seine Umwelt kümmern und auch aktiver werden. Aber ist Plogging tatsächlich so toll, wie es der Hype suggeriert? Definitiv. Denn es ist bestimmt eine witzige, abwechslungsreiche, effiziente Alternative zum klassischen Joggen. Von dem sind wir eh schon alle maßlos gelangweilt. Und dass man dabei auch noch ein wenig Müll aufsammelt und ganz nebenbei was für die Umwelt tut, ist weder falsch noch kann es groß was schaden. Und obwohl ein einzelner Plogger wohl kaum einen Unterschied macht, können viele viel bewirken. So ist das ja eigentlich bei allem, also warum nicht auch beim Ploggen.

 

Lona Koers

(Plogging-Projekt der Klasse 10a)

 

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