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- der Beginn einer neuen Partnerschaft!

Ausgerechnet im Jubliäumsjahr Karls IV bekamen wir eine Partnerschaftsanfrage von einem noch sehr jungen, aufstrebenden Prager Gymnasium, dem Gymnázium Evolution Sázavská. Welch ein glücklicher Zufall! Wir hatten somit die wunderbare Gelegenheit, als erstes Nürnberger Gymnasium im Jubiläumsjahr 2016 einen Austausch „mit Prag“ zu beginnen. Obwohl die tschechische Hauptstadt nur etwa drei Autostunden von Nürnberg entfernt liegt, ist uns ausgerechnet diese Partnerstadt, mit der wir durch eine lange, gemeinsame Geschichte – bedingt durch die räumliche Nähe - engstens verbunden sind, besonders fremd. Analoges gilt für die tschechischen Jugendlichen in Bezug auf Nürnberg. Es ist also wirklich an der Zeit, sich endlich zu begegnen!

 

Um ein besonders intensives Kennenlernen in relativ kurzer Zeit und trotz der zu erwartenden Sprachbarrieren zu ermöglichen, wollten meine Kollegin Alena Michalová und ich mit einem „echten“ Austausch beginnen. Das hieß, die deutschen Schüler würden in tschechischen Familien untergebracht werden und umgekehrt.

 

Trotz Kennenlernens per Steckbriefen auf einer Onlineplattform war die Spannung dann doch recht groß, als wir am 14.11. gegen 11.15 Uhr am Prager Hauptbahnhof eintrafen – allerdings nur sehr kurz. Bereits nach wenigen Minuten war das Eis gebrochen und alle freuten sich darauf, diese herrliche Stadt gemeinsam zu erkunden.

 

Alena Michalová, die Deutschlehrerin der tschechischen Schüler/innen, hatte für uns ein sehr dichtes Programm vorbereitet. Das erste Highlight war natürlich die Prager Burg, wobei unter anderem die Frage zu klären war, seit wann es auf dem Hradschin eine Burg gibt und wer im Laufe von circa 1000 Jahren daran weitergebaut hatte.

 

Dass allein der Bau des Veitsdom die Kleinigkeit von knapp 600 Jahren gedauert hat, vermutet zunächst niemand, lässt sich aber eigentlich unschwer erkennen, wenn man das goldene Portal aus dem 14. Jahrhundert mit den Herren im Anzug vergleicht, die auf den neugotischen Westfassade abgebildet sind.

Von der Burg ging es zurück in die Stadt, zur berühmten Karlsbrücke, über die jeder Pragbesucher wenigstens einmal gegangen sein muss. Auf uns wartete hier nach dem Besuch des Brückenmuseums eine herrliche Bootsfahrt, bei der wir Prag „at night“ erleben konnten.

 

Die Prager hatten alles für uns vorbereitet: eine Bootsfahrt, inklusive Vollmond für alle romantischen Seelen und ein Eishockeymatch für unsere beiden „toughen“ Eishockeyspieler. Paul und Max sahen sich lieber im Zimní Stadion Eden (das alte Stadion aus der Zeit des Kommunismus) das Spiel des HC Slavia Praha gegen den HC Lvi Ústí nad Labem an, als die Skyline von Prag zu genießen.

 

Wir anderen aber fuhren mit einem kleinen Schiff kreuz und quer über die Moldau, unter der Karlsbrücke hindurch und hatten herrliche Perspektiven auf Prag, die man eben nur vom Fluss aus haben kann.

       

Nach der gemeinsamen Schifffahrt wurden sämtliche Schüler/innen ins Prager Nachtleben bzw. zu ihren Gastfamilien „entlassen“.

Am kommenden Tag drehte sich alles um den Hl. Wenzel, der kurioserweise noch immer der Nationalheilige des eigentlich völlig atheistischen Tschechiens ist. Der 28. September ist sein Namenstag und gleichzeitig ein großer Nationalfeiertag.

 

Die tschechischen Schüler/innen hatten kurze Referate auf deutsch vorbereitet, um uns an Ort und Stelle Informationen zum Wenzelsplatz zu geben, auf dem sich wesentliche Ereignisse der tschechischen Geschichte zugetragen haben – sowohl die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 als auch die Samtene Revolution 1989, welche eine Begegnung so wie wir sie nun gerade erlebten, erst möglich gemacht hatte!

 

In der Passage Lucerna, die gleich am Wenzelsplatz liegt, hängt eine Parodie der Reiterstatue auf dem Wenzelsplatz. Der tschechische Künstler David Cerny hatte diese Skulptur 1999 geschaffen, anlässlich einer Installation im Hof der Hauptpost in der Jindřišská Straße, die Bestandteil der Ausstellung „CZ 99“ gewesen ist. Seit dem Jahr 2000 hängt der etwas andere Wenzel nun unweit von seinem Original in der herrlichen Jugendstil Passage, die der Großvater des ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel entworfen hat.

 

Es ist ausgesprochen wundervoll, im Café Lucerna am Fenster zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und zuzusehen, wie das Pferd immer leicht in der Zugluft der Passage wackelt, und darüber nachzudenken, was denn Cerny nun genau mit dieser Skulptur hatte sagen wollen…

Vom Wenzelsplatz ging es dann noch auf den Altstädter Ring und zur berühmten Teynkirche. Danach war das offizielle Programm beendet und die Schüler/innen konnten noch mit ihren Partnerschülern die Stadt durchstreifen. - Hätte man geahnt, dass man sich sooo gut verstehen würde, hätte man mehr Tage eingeplant. Aber glücklicherweise sollte es nicht lange dauern bis zum Gegenbesuch der Prager in Nürnberg.

Andrea Hümmer

 

 

Hier ein paar persönliche Eindrücke von HSGlern nach unserem Besuch:

 

„Austauschpartnern, mit denen man zuvor ja nur geschrieben hatte, dann am Bahnhof in Prag zu begegnen, war doch etwas komisch, aber wir sind schnell ins Gespräch gekommen. Er und seine Familie waren sehr gastfreundlich und ich freue mich auf den Gegenbesuch und hoffe, dass er von Nürnberg so begeistert ist, wie ich es von Prag war.“

 

„Ich war in jeder Hinsicht begeistert von der Gastfreundschaft, die von Anfang an zu spüren war. In Kombination mit der wunderschönen Stadt Prag, wurden meine Erwartungen damit bei Weitem übertroffen!“

 

„Da ich keinen direkten Austauschpartner hatte, war ich davon ausgegangen, dass ich kaum Bezug zu den Tschechen haben würde. Glücklicherweise jedoch stellte sich heraus, dass einer der Schüler (Robin) DJ ist und in einem ausgiebigen Gespräch wurden dann die gemeinsamen Interessen und Leidenschaften, sowie auch die Handynummer für weiteren Kontakt ausgetauscht. Die Übernachtung bei Karolines Mama [Anmerkung: die Dame führt eine Pension] hätte ich mir schöner nicht vorstellen können. Wir wurden herzlich empfangen, haben auf deutsch alles erklärt bekommen und durften am folgenden Morgen ein wundervolles Frühstück mit reger Unterhaltung genießen.“

 

„Mit dem Austausch wollte ich mich mit einer anderen Kultur auseinandersetzen und Tschechien näher kennenlernen. Obwohl Prag nur drei Stunden von Nürnberg entfernt ist, ist es dennoch eine völlig neue Erfahrung gewesen.“

 

„Ich wollte am Prag-Austausch teilnehmen, da ich neue Menschen und Kulturen kennenlernen wollte. Anfangs hatte man zwar Bedenken, wie die Prager so drauf sind, ob man sich verständigen kann, ob der Austauschpartner(/-familie) passt, etc., aber alle Befürchtungen waren unbegründet. Sie konnten ziemlich gut Deutsch, haben sich lange mit uns unterhalten und so habe ich auch gemerkt, dass sie uns gar nicht so unähnlich sind: sie lachen viel und haben ähnliche Interessen und Meinungen wie wir. Für mich hat es sich außerdem total gelohnt, nicht nur wegen der Besichtigung von Prag, sondern auch weil man viele nette Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und interessante Gespräche geführt hat. Ich kann es kaum erwarten, bis sie nach Nürnberg kommen.“

 

„Ich war von unserem Prag-Austausch wirklich positiv überrascht. Ich habe nicht erwartet, dass wir in so einer kurzen Zeit sowohl viel von der Stadt sehen, als auch Freundschaft mit unseren Austauschpartnern schließen konnten. Schade fand ich nur, dass wir die Gastschule nicht gesehen haben - das wäre aber auch einfach zu viel gewesen. Im Großen und Ganzen waren die zwei Tage in Prag aber wunderschön!“

 

„Es ist immer schwer aus Steckbriefen einen Austauschpartner zu finden. Ich habe eher zufällig die perfekte Austauschpartnerin für mich gefunden. Letztendlich geht es natürlich viel weniger darum, für wen man sich entscheidet, sondern vielmehr darum, was man daraus macht. Schüler, die sich für Schüleraustausche interessieren, sind für gewöhnlich ähnlich aufgeschlossen und interessiert an anderen Kulturen. Auch wenn man meist nach Schülern mit ähnlichen Interessen sucht, so ist es doch oft am interessantesten jemanden näher kennen zu lernen, der sich mehr von einem unterscheidet und andere Ansichten und Perspektiven hat.“

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